Medizin & Technik

Vollständig implantierbares Cochlea-Implantat jetzt beidseitig eingesetzt

Prof. Dr. Kristen Rak, Leitender Oberarzt des Hörzentrums, beim Eingriff in der HNO-Klinik des UKW am 29. September. Die Patientin ist nun weltweit der erste Mensch, der auf beiden Ohren mit einem solchen CI-System versorgt ist. (Foto: UKW / Kim Sammet)

Am Universitätsklinikum Würzburg wurde erstmals eine Patientin auf beiden Ohren mit vollständig implantierbaren Cochlea-Implantaten versorgt. Das verwendete System ist inzwischen CE-zugelassen und steht damit erstmals außerhalb von Studien für geeignete Patientinnen und Patienten zur Verfügung.

Am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) hat ein Team der HNO-Klinik einer Patientin ein zweites vollständig implantierbares Cochlea-Implantat eingesetzt. Nach Angaben des Klinikums ist sie damit weltweit der erste Mensch, der auf beiden Ohren mit einem solchen System versorgt ist. Die Operation fand am 29. September 2026 statt. Das erste Implantat hatte die Patientin noch im Rahmen der Zulassungsstudie erhalten. Beim zweiten Eingriff kam bereits das CE-zugelassene System TICI UNICO des österreichischen Herstellers MED-EL zum Einsatz. Das UKW gehört zu den ersten vier Kliniken weltweit, die das Implantat verwenden.

Alle Komponenten liegen unter der Haut

Bei klassischen Cochlea-Implantaten wird ein Teil des Systems implantiert, während Mikrofon, Audioprozessor und Stromversorgung außen am Kopf getragen werden. Beim neuen System befinden sich dagegen auch Mikrofon, Signalverarbeitung und Energieversorgung vollständig unter der Haut. Schall wird durch die Haut aufgenommen, in elektrische Signale umgewandelt und über eine Elektrode in der Cochlea an den Hörnerv weitergegeben. Damit entfällt im Alltag der externe Audioprozessor. Nach Herstellerangaben soll das System kontinuierliches Hören ermöglichen – auch beim Schlafen oder bei Aktivitäten im Wasser. Die Hörleistung sei mit etablierten Cochlea-Implantat-Systemen vergleichbar. Diese Angaben beruhen auf klinischen Untersuchungen und bisherigen Erfahrungen des Herstellers.

Für die Versorgung ist das System nicht automatisch für alle Menschen mit Hörverlust geeignet. Cochlea-Implantate kommen vor allem dann infrage, wenn eine schwere bis hochgradige Innenohrschwerhörigkeit besteht und Hörgeräte kein ausreichendes Sprachverstehen mehr ermöglichen. Vor einer Implantation sind umfangreiche medizinische und audiologische Untersuchungen notwendig. Für das Würzburger Team ist vor allem der Schritt aus der Studienphase relevant.

„Bislang konnten wir das voll implantierbare System nur im Rahmen von Studien einsetzen. Mit der CE-Zulassung steht es nun allen Patientinnen und Patienten offen, für die es infrage kommt“, ordnet Prof. Kristen Rak, Leitender Oberarzt des Hörzentrums am UKW, die Entwicklung ein.

Die Patientin wird bereits seit ihrer Kindheit am Comprehensive Hearing Center des UKW betreut. Nachdem sie mit dem ersten vollständig implantierbaren Cochlea-Implantat zufrieden war, entschied sie sich auch auf der Gegenseite für diese Versorgung. Insgesamt wurden am UKW in den vergangenen 25 Jahren mehr als 4.000 Cochlea-Implantate eingesetzt. Die vollständige Implantierbarkeit könnte vor allem im Alltag einen Unterschied machen, weil externe Komponenten nicht mehr abgenommen oder geschützt werden müssen.

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