Siemens Healthineers beendet den Vertrieb von Ultraschallsystemen für die allgemeine Bildgebung und konzentriert sich künftig auf interventionelle Anwendungen. Im Mittelpunkt stehen kardiovaskuläre Eingriffe, intrakardiale Echokardiografie sowie Software und KI.
Siemens Healthineers zieht sich aus einem Teil des klassischen Ultraschallgeschäfts zurück. Seit dem 12. Oktober 2026 vertreibt das Medizintechnikunternehmen keine Systeme für die allgemeine Ultraschallbildgebung mehr. Betroffen sind unter anderem die Produktlinien Acuson Sequoia, Redwood, Juniper und Maple. Künftig soll sich das Ultraschallgeschäft stärker auf interventionelle Bildgebung und bildgeführte Therapien konzentrieren. Im Portfolio bleiben unter anderem Acuson Origin, das P500-System für die intrakardiale Echokardiografie (ICE) und Freestyle sowie dazugehörige Software und Katheter. Adressiert werden damit vor allem Elektrophysiologen und interventionelle Kardiologen.
Bildgebung wird Teil der Therapie
Hinter der Neuausrichtung steht ein grundsätzlicher Wandel in der medizinischen Bildgebung. Ultraschall dient bei interventionellen Eingriffen zunehmend nicht mehr allein der Diagnose, sondern unterstützt die Therapie unmittelbar. Bei der intrakardialen Echokardiografie wird beispielsweise ein Ultraschallkatheter in das Herz eingebracht. Er liefert während elektrophysiologischer oder struktureller Herzeingriffe Echtzeitbilder und kann damit die Navigation von Kathetern und Implantaten unterstützen.
„Bildgebung wird zunehmend Teil der Therapie und dient nicht mehr nur der Diagnose“, fasst Sourabh Pagaria, Leiter des Ultraschallgeschäfts bei Siemens Healthineers, die strategische Ausrichtung zusammen.
Das Unternehmen will dabei seine bestehenden Kompetenzen in der kardiovaskulären Bildgebung mit Software, künstlicher Intelligenz und Kooperationen mit Herstellern kardiovaskulärer Medizinprodukte verbinden.
Hoher Wettbewerbsdruck im allgemeinen Ultraschallmarkt
Die Entscheidung hat allerdings nicht nur technologische Gründe. Der Markt für allgemeine Ultraschallsysteme ist stark umkämpft. Zu den großen Anbietern gehören unter anderem GE HealthCare, Philips, Canon Medical und Fujifilm. Nach Angaben einer Unternehmenssprecherin gegenüber Reuters konnte sich Siemens Healthineers trotz erheblicher Investitionen in diesem Marktsegment nicht ausreichend gegenüber etablierten und neuen Wettbewerbern durchsetzen. Das Ultraschallgeschäft gehört bei Siemens Healthineers zum Bereich Precision Therapy und erzielte 2025 laut Reuters einen Umsatz von mehr als 600 Millionen Euro.
Service für bestehende Systeme bleibt bestehen
Für Kliniken und Praxen, die bereits Ultraschallsysteme der betroffenen Produktlinien einsetzen, soll sich zunächst nichts ändern. Siemens Healthineers kündigt an, bestehende Kunden weiterhin über den gesamten Produktlebenszyklus zu unterstützen. Dazu gehören Wartung, Softwareupdates und die Verfügbarkeit von Ultraschallsonden. Auch vertragliche und regulatorische Verpflichtungen sollen weiterhin erfüllt werden. Die strategische Neuausrichtung zeigt zugleich, wie sich der Wettbewerb in der bildgebenden Medizintechnik verändert: Hersteller versuchen zunehmend, Diagnostik, interventionelle Verfahren, Software und KI enger miteinander zu verbinden.
