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»Wollen nicht in die Hokuspokus-Ecke gestellt werden«

Martin Pansy, Geschäftsführer der psychologischen Onlineberatung Instahelp Martin Pansy ist Geschäftsführer der psychologischen Onlineberatung Instahelp (Foto: Instahelp)

Der Onlineanbieter „Instahelp“ verspricht Beratung bei psychischen Problemen. Mednic.de sprach mit Geschäftsführer Martin Pansy über das neue, telemedizinische Angebot.

Das Unternehmen ging im Jahr 2015 mit dem Ziel an den Start, Ratsuchenden durch einen einfachen und anonymen Weg – nämlich via Internet – eine schnelle, psychologische Beratung zu bieten. Dabei betrachtet sich Instahelp als ergänzendes Angebot zum bestehenden Beratungssystem. Menschen in einer psychisch schwierigen Situation haben die Möglichkeit, sich online an professionell ausgebildete Psychologen zu wenden und durch chatbasierte Kommunikation zu einer Lösung zu finden. Der Fokus liegt dabei auf präventiver Beratung.

Mednic.de: Ist Ihrer Einschätzung nach die Inanspruchnahme von psychologischer Hilfe bei uns im deutschsprachigen Raum tabuisiert? Oder anders gefragt: Wird man in unserer Leistungsgesellschaft damit nicht ganz schnell als „Looser“ abgestempelt?

Pansy: Das stimmt leider. Stärker als etwa in den USA, wo die Inanspruchnahme psychologischer Unterstützung bis in die besten Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Schichten akzeptiert ist, ist das in unserer Region bisweilen noch schwierig. In unseren Breitengraden bestehen allerdings auch deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land, zwischen hierarchisch streng gegliederten und offenen Unternehmen. Im urbanen Umfeld ist der Gang zum Psychologen eher akzeptiert und nicht zuletzt profitieren Großstadtbewohner hier von mehr Anonymität.

»Im urbanen Umfeld ist der Gang zum Psychologen eher akzeptiert«

Mednic.de: Es steht jedem Menschen frei, bei psychischen Problemen einen Psychologen aufzusuchen. Warum sollte ich stattdessen ins Internet gehen und mit einem mir völlig unbekannten Menschen anonym chatten?

Pansy: Bevor wir mit Instahelp an den Start gegangen sind, haben wir eine klare Versorgungslücke ausgemacht: Rund 40 Prozent der Bevölkerung hat zeitweise Bedarf an psychologischer Beratung, doch nur rund 30 Prozent dieser Gruppe lassen sich auch tatsächlich beraten. Das wollten wir mit Instahelp ändern. Mit der Kontaktaufnahme im Internet besteht ein niedrigschwelliges Angebot, mit dem wir nach dem Start in Österreich im November 2015 jetzt auch Deutschland adressieren.

»Kontaktaufnahme im Internet als niedrigschwelliges Angebot«

Mednic.de: Wie wählen Sie Ihre Mitarbeiter aus?

Pansy: Die Auswahl qualifizierten Personals ist für uns ein ganz wesentlicher Punkt. Wir wollen nicht in die Hokuspokus-Ecke gestellt werden, sondern durch strenge Aufnahmekriterien ein anerkannt hochwertiges und seriöses Angebot schaffen. In Österreich müssen unsere Mitarbeiter als Klinische Psychologen tätig sein und hier 2.300 Stunden Praxiserfahrung nachweisen. In Deutschland kommen nur approbierte Psychologen und Psychotherapeuten mit gleichlanger Berufserfahrung ins Team. Zusätzlich müssen sie eine von uns entwickelte Zusatzausbildung für Online-Beratung erfolgreich absolviert haben. Darüber hinaus spielen die im Web üblichen Bewertungen, die auch bei uns möglich sind, eine gewichtige Rolle. Selbstverständlich sammeln und beobachten wir Bewertungen zu den für uns tätigen Psychologen. Ein schwarzes Schaf würden wir dadurch schnell erkennen.

Mednic.de: Wie treffen Sie die Vorauswahl, welcher in Ihren Diensten stehende Psychologe für eine eingegangene Anfrage der Richtige ist?

Pansy: Wir verfahren hier nach einem zweistufigen Modell. Bei der ersten Kontaktaufnahme, die noch nicht die eigentliche, psychologische Beratung darstellt, wendet sich der Klient an einen psychologisch ausgebildeten Instahelp-Coach. Auch hier sind ausschließlich Mitarbeiter mit abgeschlossenem Studium der Klinischen Psychologie beschäftigt. Hier erfolgt eine kurze Anamnese, worauf die Vermittlung an den aus unserer Sicht passenden Psychologen erfolgt. Der Klient hat es von da an übrigens nicht mehr mit einem anonymen Menschen zu tun, denn er erhält eine kurze Biographie unseres Mitarbeiters samt Foto und – falls vorhanden – Link zu seiner Praxis-Homepage. Der Klient kann also wählen und selbstverständlich auch um einen anderen Gesprächspartner bitten. Erst danach erfolgt die Bezahlung. Der Klient erhält dann innerhalb von 24 Stunden eine Rückmeldung und kann zügig seine Beratung beginnen.

Mednic.de: Besteht ausschließlich die Möglichkeit für einen schriftlichen Chat, oder kann ich als Patient auf Wunsch auch telefonieren?

Pansy: Das Erstgespräch ist ein schriftlicher Chat. Danach kann das Gespräch ganz nach Wunsch auch mittels Videotelefonie oder herkömmlicher Telefonie erfolgen. Wer sich weiterhin lieber schriftlich äußern möchte, kann das natürlich auch tun. Wir möchten so dafür sorgen, dass ein bestmögliches Vertrauensverhältnis entsteht.

»Keine ‚Vertriebsplattform’ für Psychologen«

Mednic.de: Kann ich als Patient mit meinem Chatpartner auf Wunsch auch persönlich in Kontakt treten, also einen Praxis-Besuch vereinbaren?

Pansy: Auch das ist möglich, wenn es der Wunsch des Kunden ist, da verwehren wir uns nicht. Allerdings wollen wir grundsätzlich mit den technischen Möglichkeiten bei Instahelp eine neue Möglichkeit des Austauschs schaffen und nicht eine Art ‚Vertriebsplattform’ für Psychologen sein.

Instahelp-Geschäftsführer Pansy

Instahelp-Geschäftsführer Pansy: „Wir möchten dafür sorgen, dass ein bestmögliches Vertrauensverhältnis entsteht“ (Foto: Instahelp)

Mednic.de: Können Sie eine Aussage darüber treffen, wie viele der Kontaktaufnahmen sich als „minderschwerer“ Fall erweisen, so dass nach ein oder zwei Terminen eine Anfrage erfolgreich abgeschlossen wird?

Pansy: Das trifft auf rund zwanzig bis dreißig Prozent unserer Fälle zu. Ein Großteil der Beratungen dauert folglich länger. Wir beobachten auch, dass viele unserer Klienten mit dem Psychologen laufend Probleme reflektieren möchten. Der Psychologe wird für sie also eine Art ständiger Begleiter.

Mednic.de: Sollten Hausärzte oder Internisten auf Instahelp verweisen, wenn sie bei einem Patienten psychische Schwierigkeiten vermuten?

Pansy: Das ist aus unserer Sicht sehr empfehlenswert, denn ein Allgemeinmediziner ist in der Regel kein Experte für die mentale Gesundheit. Ärzte finden online auf unserer Seite auch Informationsmaterial, wie zum Beispiel Selbsttests, für eventuell gefährdete Patienten.

»Qualifiziertes, psychologisches Beratungsangebot für Unternehmen«

Mednic.de: Sie bieten Instahelp ja einerseits Privatpersonen an, andererseits aber auch Unternehmen. Wie kann ich als Unternehmen ihre Leistungen „einkaufen“ und meinen Mitarbeitern anbieten?

Pansy: Viele Unternehmen haben erkannt, dass es hilfreich sein kann, wenn Mitarbeitern ein qualifiziertes, psychologisches Beratungsangebot zur Verfügung steht, welches meist nicht intern angeboten werden kann. Ein solches Angebot zur Verfügung zu stellen ergibt Sinn: Mitarbeiter, die mit psychischen Problemen kämpfen, arbeiten oft weniger effizient. Mit unserem Angebot wird diese Thematik outgesourct. Wichtig dabei ist, dass auch hier die völlige Anonymität des Patienten gewahrt bleibt. Das Unternehmen erhält von uns ausschließlich anonyme Nutzungsstatistiken. Es erfährt nicht, welcher Mitarbeiter die Beratung in Anspruch nimmt oder gar, welche Probleme besprochen werden.

Mednic.de: Haben Sie bereits mit Krankenkassen darüber gesprochen, ob ihr Angebot als telemedizinische Kassenleistung angeboten und abgerechnet werden könnte?

Pansy: Die Kassen unterscheiden zwischen einer Vor-Ort-Therapie und einem telemedizinischen Angebot. Unser Angebot wird bislang nicht von den gesetzlichen Krankenkassen gefördert. Private Kassen könnten hier in naher Zukunft interessante Partner sein.

Mednic.de: Herr Pansy, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!

Info:
Instahelp ist eine Marke der Insta Communications GmbH mit Sitz in Graz/Österreich.