Smarter Trinkbecher könnte Leben retten

Nahaufnahme eines Wasserglases
Elementare Lebensgrundlage: Ein erwachsender Mensch sollte je nach Körpergröße und Aktivität mindestens 1,5 bis zwei Liter Wasser pro Tag trinken. (Foto: © Igor Tarasyuk/123rf.com)

Ein smarter und dauerhaft verwendbarer Trinkbecher, der Senioren im Krankenhaus und in Pflegeheimen aktiv daran erinnert, etwas zu trinken – mit dieser Idee geht das Startup Laqa an den Start. Die Idee stößt bei Krankenversicherern und Pflegedienstleistern bereits auf reges Interesse.

Mit zunehmendem Alter schwindet das natürliche Durstempfinden. Dadurch steigt bei Senioren die Gefahr einer gesundheits- oder gar lebensbedrohenden Dehydration exponentiell an. Die Zahlen sind erschreckend: Weil sie zu wenig trinken, versterben jährlich tausende Menschen in Deutschland. So wurden in deutschen Krankenhäusern im Jahr 2017 über 125.000 Fälle von Volumenmangel als Hauptdiagnose festgestellt, 5.371 dieser Patienten verstarben noch in der Klinik! In weiteren 925.000 Fällen wurde Volumenmangel als Nebendiagnose festgestellt. Über 90 Prozent der betroffenen Personen waren 65 Jahre oder älter.

Da es hierzulande an sauberem Trinkwasser nicht mangelt, könnte eine Vielzahl von Erkrankungen und Todesfällen durch Dehydration vermieden werden. Und das wäre eigentlich sehr einfach: Die meisten Alten müssen lediglich regelmäßig daran erinnert werden, wieder etwas zu trinken. Diese Aufgabe können aber nicht in jedem Fall Partner, Familienmitglieder oder Pflegedienste übernehmen. „Mit unserem smarten Trinkbecher und der dazugehörigen Datendienstleistung haben wir ein System entwickelt, das genau hier eine Unterstützung bieten soll“, erklärt Laqa-Geschäftsführer Bernd Hoffmann.

Der von Laqa entwickelte Trinkbecher ist speziell auf die Anforderungen der Zielgruppe Best Ager/Senioren ausgerichtet und aus stoß- und bruchfestem Kunststoff gefertigt. Das Material ähnelt in der Haptik einem Glasgefäß. Im oberen Bereich befindet sich ein rutschhemmendes Band, das einen festen Halt auch bei feuchten Händen oder schwächerem Griff erleichtert. Die erforderliche Technik ist fest im Sockel integriert. Durch eine entsprechend konzipierte Verkapselung ist der Trinkbecher spülmaschinengeeignet.

Sensoren bemerken Wegschütten

Der Trinkbecher ist mit verschiedenen Sensoren ausgestattet. So kann ein Kippen des Trinkbechers oder auch das Wegschütten von Flüssigkeiten erkannt werden. Diese werden in den Berechnungen der Trinkimpulse nicht berücksichtigt. Der Energiebedarf wird durch einen fest verbauten Akku gewährleistet. Dieser lässt sich induktiv durch eine QI-Ladeschale wiederaufladen und ist auf mindestens 2.000 Ladezyklen ausgelegt.

Der smarte Becher überträgt die erfassten Daten an ein Rechenzentrum über eine VPN-geschützte GSM-Verbindung. Hierdurch entfallen technische Anforderungen an die Umgebung. Der Becher muss folglich nicht mit einem Bluetooth-Gerät wie etwa einem Smartphone verbunden werden und wird auch nicht in ein lokales Netzwerk eingebunden. Er ist ein „stand-alone“-Produkt, das jederzeit und überall eingesetzt werden.

Diagnose-Unterstützung

Die im smarten Trinkbecher verbaute Sensorik ermöglicht nicht nur das Erkennen von verschütteten Flüssigkeiten, sondern auch die Analyse kompletter Bewegungsabläufe. So können die Algorithmen so ausgebildet werden, dass abnorme Bewegungsabläufe, wie sie etwa bei Morbus Parkinson symptomatisch sind, detektiert und ausgewertet werden. Dies eröffnet neue Wege und Möglichkeiten, erkrankte Personen in ihrer Krankheit zu unterstützen oder diese deutlich früher zu erkennen.

Nächste Schritte

„Wir verfügen aktuell über einen voll funktionsfähigen Prototyp, den wir nun zur Nullserie weiterentwickeln wollen“, verdeutlicht Bernd Hoffmann die weiteren Schritte. „Dabei konnten wir für unsere Gesamtlösung eine Reihe namhafter Pflegeheimketten und Pflegedienstleister begeistern, die mit uns gemeinsam den nächsten Schritt gehen wollen und mit uns einen Feldtest durchführen“, erklärt er. Zudem verzeichnet das junge Unternehmen bereits großes Interesse von Krankenversicherern und einzelner Verbände aus Gesundheit und Pflege.

Die Laqa GmbH wurde im Jahr 2017 gegründet. Das Startup aus München besteht bisher aus den zwei Gründungsmitgliedern, die durch externe Unternehmen und Mitstreiter unterstützt werden. Fest angestellte Mitarbeiter gibt es derzeit noch nicht.

Technische und finanzielle Rückschläge

Obwohl Laqa mit der Idee bereits einige Preise gewinnen konnte (Finalist des SENovation Awards der Signal Iduna, Gewinner Telekom Pitchday 2019), musste der kleine Betrieb auch schon Rückschläge verkraften. „Als Gründer verfügen wir nicht über die fachliche Kompetenz, alle technischen Herausforderungen alleine zu meistern, so dass wir auf externe Unternehmen zurückgreifen mussten“, berichtet Hoffmann. „Hierbei haben wir schnell gelernt, dass auch bei bester Vorbereitung und Dokumentierung der Aufgabenstellung Enttäuschungen nicht ausbleiben. Diese harte Erkenntnis hat uns mehrmals um Monate zurückgeworfen“, sagt der Firmengründer. Ein weiterer herber Rückschlag war, dass dem Startup kurzfristig ein fest eingeplanter Investor aus gesundheitlichen Gründen abgesprungen ist, so dass die Suche nach neuen Investoren von vorne beginnen musste.

Schwierige Startup-Szene

Trotz dieser Einschnitte ist Hoffmann aber positiv gestimmt und fest davon überzeugt, dass er mit Laqa bald durchstarten kann. „Grundsätzlich ergeben sich für Startups in Deutschland sehr gute Möglichkeiten, sich zu gründen und zu entwickeln. Positiv ist etwa zu bewerten, dass es eine Vielzahl von Förderprogrammen auf Landes- Bundes- und auch europäischer Ebene gibt“, erklärt er. Allerdings haben sich diese Programme seiner Meinung nach inzwischen zu einem Dschungel entwickelt, der nur noch schwer zu durchschauen ist. „Auch haben die wirtschaftlich sehr interessanten Programme teilweise eine Zuteilungswahrscheinlichkeit von unter zehn Prozent, bedeuten für das Startup jedoch einen immensen Aufwand“, gibt Hoffmann zu bedenken.

Nicht zuletzt verdeutlich der Laqa-Geschäftsführer, wie schwierig die Suche nach Investoren ist – trotz der im Fall von Laqa überzeugenden und einfach nachvollziehbaren Geschäftsidee: „Wir mussten lernen, dass es noch immer eine Kluft zwischen Business Angeln und Venture Capital-Gebern gibt. Für die einen sind wir mit unserem Finanzierungsbedarf zu groß, für die anderen deutlich zu klein.“ Bleibt zu hoffen, dass Laqa bald die passenden Unterstützer findet und kein Mensch im reichen Deutschland mehr sterben muss, nur weil er nicht genug getrunken hat.

Der Wittener Preis für Gesundheitsvisionäre wird in diesem Jahr zum fünften Mal verliehen. Die Laqa GmbH zählt 2019 zu den Finalisten, die mednic.de als Medienpartner des Wettbewerbs vorstellt. Die drei Gewinner präsentieren ihre Innovation auf der Medica in Düsseldorf.