Roboterarm für ALS-Patienten

Roboterhand drückt Button
Roboterhand drückt Button: Kein Ersatz für Pflegekräfte geplant (Foto: © Photobank/fotolia.com)

Als Alltagshilfe für ALS-Patienten entwickelt die Berliner Charité jetzt gemeinsam mit Partnern einen Robotikarm, der Betroffenen zu mehr Eigenständigkeit im täglichen Leben verhelfen soll.

Es beginnt mit fehlender Kraft in Händen und Füßen, dann treten Zuckungen und Krämpfe auf, später sogar sogar Lähmungen. Etwa 7.000 Menschen in Deutschland leiden an Amyotropher Lateralsklerose (ALS), einer Erkrankung des zentralen Nervensystems, die sich vor allem auf die Muskulatur auswirkt.

ALS-Erkrankte sind auf Hilfsmittel angewiesen, die ihnen die Aktivitäten des Alltags erleichtern. Die Charité – Universitätsmedizin Berlin und die Pflegewerk Berlin GmbH wollen jetzt zusammen mit Industriepartnern einen Robotikarm entwickeln, der Betroffenen zu mehr Eigenständigkeit im täglichen Leben verhilft. Das kürzlich gestartete Projekt „Robina“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bis 2020 mit rund 1,8 Millionen Euro finanziert.

Mehr Autonomie als Ziel

Welche Muskelgruppen als erstes betroffen sind, ist von Patient zu Patient unterschiedlich − ebenso die Geschwindigkeit, mit der sich die Krankheit auf den gesamten Körper ausdehnt. Innerhalb weniger Jahre kann es zu einer vollständigen Lähmung des Körpers, bei völligem Erhalt aller intellektueller Fähigkeiten führen. Die Betroffenen müssen engmaschig betreut werden, sodass ihr Wunsch nach möglichst viel Autonomie steigt. Dies stellt die behandelnden Fachkräfte vor pflegerische und psychosoziale Herausforderungen. Hier setzt das Projekt Robina an: Auf Basis einer umfassenden Bedürfnisanalyse mit Patienten sowie einer praxisnahen Visualisierung der notwendigen Versorgungsabläufe wird der Prototyp eines Roboterarms erstellt, der im Pflegealltag erprobt wird.

Steuerung mittels Gesten oder Augen

„Wir wollen mit dem Roboterarm keine Pflegkräfte ersetzen, wir wollen die Ressourcen der Pflegenden gezielter nutzen und den Betroffenen zu mehr Selbstbestimmung verhelfen“, erklärt Jörn Kiselev, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsgruppe Geriatrie der Charité. Ob es gilt, ein Wasserglas anzuheben oder einen Knopf auf der Fernbedienung zu drücken: Der robotergestützte Arm soll an Bett oder Rollstuhl angebracht werden und mittels Augenbewegung oder Gesten gesteuert werden können – eine Entlastung für alle Beteiligten. „Besonders in komplexen Pflegesituationen können so in Zukunft zunehmend Pflegebedürftige und Pfleger von diesem innovativen Ansatz profitieren“, fügt Kiselev hinzu.

ALS nur kurzzeitig im öffentlichen Fokus

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) gehört zur Gruppe der Motoneuron-Krankheiten und ist eine nicht heilbare degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems. Die Ursache der Erkrankung ist unklar. Genetische Faktoren werden bei den meisten ALS-Patienten festgestellt; ob sie die alleinigen Auslöser sind, ist unbekannt. Die meisten Fälle treten sporadisch, das heißt ohne familiäre Häufung, auf. Medial präsentester ALS-Patient dürfte der Wissenschaftler Stephen Hawking sein, der seit 1963 an dieser Krankheit leidet. Auch der 2007 verstorbene Düsseldorfer Maler Jörg Immendorff rückte durch seine ALS-Erkrankung mehr in die Öffentlichkeit. Er stiftete 2004 ein Stipendium an der ALS-Ambulanz der Charité, um die ALS-Therapieforschung zu befördern. Eine gesteigerte Beachtung in der Weltöffentlichkeit erhielt die Krankheit mit der durch die ALS Association (ALSA) im Sommer 2014 gestarteten Ice Bucket Challenge. Dabei sollen sich vornehmlich im Internet dazu herausgeforderte Personen mit einem Eimer eiskalten Wassers übergießen und für die Erforschung und Bekämpfung von ALS Geld spenden. Betroffene können sich in Deutschland unter anderem an die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V. wenden.