Pflege: Intelligentes Notrufsystem im Testeinsatz

 In drei Pflegeheimen wird jetzt ein intelligentes Notrufsystem getestet. (Foto: RAM - Fotolia.com)

Bei der Betreuung älterer und demenzkranker Patienten erhalten jetzt drei Pflegeeinrichtungen in Deutschland und Dänemark smarte Unterstützung. Im Rahmen des deutsch – dänischen Interreg-Projekts Demantec testen sie noch bis zum Sommer 2018 das Assistenzsystem IntelligentCARE der dänischen Firma ANYgroup.

Bei IntelligentCARE handelt es sich um ein intelligentes Notrufsystem. Es ist in verschiedenen Produktversionen für Demenzkranke und ältere Menschen erhältlich und warnt das Pflegepersonal immer dann, wenn der Patient Hilfe benötigt. Das funktioniert entweder über einen manuellen Notruf oder automatisch über Sensoren, wenn der Patient den Notruf selbst nicht auslösen kann.

Informationen für bessere Pflege

Ein smarter Sensor kann zum Beispiel einen Alarm an das Pflegepersonal senden, wenn ein Pflegebedürftiger sein Bett verlässt, ohne zurückzukehren. Er kann auch feststellen, ob sich ein Pflegebedürftiger in seinem Bett befindet. Da soll dem Pflegepersonal dabei helfen, nachts unnötige Störungen des Pflegebedürftigen zu vermeiden. Über grafische Darstellungen kann zudem angezeigt werden, wann und wie oft ein Bewohner sein Bett verlässt. Dadurch soll das Pflegepersonal Informationen erhalten, die dabei helfen, den Pflegeaufwand jedes Pflegebedürftigen besser kennen zu lernen und zu optimieren.

Ein weiterer Sensor, der auch in Pflegeheimen eingesetzt wird, ist der Bewegungssensor IntelligentCARE. Über ihn lässt sich beispielsweise ermitteln, ob ein Pflegebedürftiger gerade zur Toilette geht. Eine Grafik kann dem Pflegepersonal die Häufigkeit der Toilettengänge anzeigen. Denn Änderungen können ein früher Hinweis auf eine mögliche Krankheit sein, den ein Demenzkranker unter Umständen nur schwer selbst geben kann.

Offene Schnittstelle

Neben Bett- und Bewegungssensoren sollen die Pflegeheime auch manuelle Notrufe, Notrufe mit Zweiwegekommunikation, Türsensoren und Sensoren zum Schutz Dementer Pflegebedürftiger testen. IntelligentCARE ist Open Source basiert, so dass Produkte von Drittanbietern in das System integriert werden können, sofern sie auf dem offenen Zigbee-Protokoll basieren.

Die erste Erprobungsphase wurde Anfang November 2017 im Pflegeheim Gotthard-und-Anna-Hansen-Stift in Flensburg gestartet. Im dänischen Pflegeheim The Greenhouse in Aabenrade wurde das System Ende November 2017 in Betrieb genommen, die Erprobung im zweiten deutschen Pflegeheim, dem Pflegezentrum Techau in Lübeck, startet im Januar 2018. In den drei Pflegeheimen soll nun ermittelt werden, ob es Unterschiede in der Handhabung und Nutzung des Notrufsystems gibt. Das soll zeigen, wie die Implementierung von Technologie in Bezug auf die Mitarbeit des Pflegepersonals und anderer Beteiligter optimiert werden kann.

„IntelligentCARE ist auf dem dänischen Markt bereits gut etabliert und wir freuen uns sehr, die Lösung in den deutschen Pflegeheimen einzuführen und zu erproben. Wir haben unsere Lösung dem deutschen Markt angepasst und sind nun bereit, IntelligentCARE in Pflegeheimen, Krankenhäusern und bei der ambulanten Pflege in allen deutschsprachigen Ländern anzubieten“, sagt ANYgroup-Geschäftsführer Henrik Klode.

Individuell anpassbare App

Die Signale der Notrufe von IntelligentCARE werden in einer App empfangen und bearbeitet, die für das Pflegepersonal leicht zugänglich ist. Mit der App lassen sich zudem individuelle Einstellungen für jeden der Pflegebedürftigen vornehmen und grafische Darstellungen des jeweiligen Bewegungsverhaltens sehen. Im Rahmen der Erprobung im Demantec-Projekt wurde die App ins Deutsche übersetzt. Vor der Testphase wurden zudem zwei Workshops durchgeführt, in denen das Pflegepersonal, Verwaltungspersonal und Servicetechniker das Assistenzsystem bereits vor der Inbetriebnahme kennengelernt haben.

Die Ergebnisse der Tests in den Pflegeeinrichtungen sollen den Projektpartnern neue Perspektiven liefern, wie Lösungen in der Pflege dementer Menschen weiterentwickelt und der spezifischen Situation angepasst werden können. Während der Erprobung in den drei Pflegeheimen soll zur Halbzeit des Projekts eine Bewertung vorgenommen werden, um Anpassungen und Justierungen vorzunehmen. Nach dem Test können die Pflegeeinrichtungen selbst entscheiden, ob IntelligentCARE standardmäßig ein fester Bestandteil der Pflegemaßnahmen bleiben soll.