Notfalldaten und Medikationsplan sollen auf die eGK

Miniaturfiguren stehen vor einer Gesundheitskarte
Die elektronische Gesundheitskarte soll baldmöglichst über weitere Funktionen verfügen (Foto: © Ulrich/fotolia.com)

Notfalldaten und Medikationsplan sollen schnellstmöglich auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) gespeichert werden können. Die Gematik-Gesellschafter haben deshalb das Zulassungsverfahren und das dazugehörige Feldtestkonzept freigegeben und damit nach dem Versichertenstammdaten-Management nun auch die Einführung der medizinischen Anwendungen der Telematikinfrastruktur ermöglicht.

Zuvor war bereits das Dokumentenpaket (Release 2.1.0) mit sämtlichen Spezifikationen veröffentlicht worden. „Wir haben aus der Erprobung des Online-Abgleichs der Versichertenstammdaten gelernt und uns zu dem neuen Vorgehen entschlossen. Die medizinischen Anwendungen können somit schneller entwickelt, zugelassen und von der Industrie auf dem Markt angeboten werden“, betont Gematik-Geschäftsführer Alexander Beyer.

Erstzulassung unter Auflagen

Beim sogenannten Marktmodell werden nicht mehr einzelne Industrieunternehmen mit einer vorgeschalteten Erprobung beauftragt: Stattdessen entwickeln Industrieunternehmen – wie bisher – ihre Produkte wie beispielsweise Konnektoren anhand der Gematik-Spezifikationen. Anschließend reichen sie diese zur Zulassung ein. Dabei wird unter anderem im Gematik-Testlabor der Nachweis erbracht, dass das jeweilige Produkt interoperabel und funktional ist. Zusätzlich bestätigt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Sicherheit des Produkts. Die Gematik erteilt daraufhin eine Zulassung unter Auflagen, mit der die Industrie zunächst in einem eigenverantwortlichen Feldtest mit einem beschränkten Teilnehmerkreis die Funktionalität und Interoperabilität in realen Versorgungsumgebungen nachweisen muss.

Umfangreiche Feldtests

Pro Industrieunternehmen sollen an den Feldtests mindestens 70 bis 75 Arztpraxen und acht Apotheken, eine KV-Notdienstpraxis sowie ein Krankenhaus teilnehmen. Diese sollen über einen Zeitraum von etwa acht Wochen 1.400 Notfalldatensätze und 2.100 Medikationspläne auf den elektronischen Gesundheitskarten der Versicherten speichern. Sowohl die Feldtests als auch die anschließende bundesweite Einführung der medizinischen Anwendungen werden wissenschaftlich begleitet und evaluiert, um Erkenntnisse über die Akzeptanz und Praxistauglichkeit der Produkte und Anwendungen zu erhalten.

Verlaufen die Feldtests erfolgreich und wird dies über die erforderlichen Berichte und Ergebnisse durch die Zulassungsnehmer belegt, dürfen die Produkte nach entsprechender Freigabe durch die Gematik bundesweit in der Telematikinfrastruktur eingesetzt werden. Das Feldtestkonzept, die Zulassungsverfahren und das Dokumentenpaket, das sämtliche Spezifikationen zu den medizinischen Anwendungen enthält, sind im Gematik-Fachportal veröffentlicht.