Neue Röntgentechnik für weniger Strahlung

Jennifer Müller (Fujifilm, v.l.), Radiologin Dr. Christina Hauenstein sowie Radiologie-Chef Prof. Karlheinz Hauenstein mit Kinderklinik-Chef Prof. Michael Radke und Dr. Ulf Prüfer aus der Kinderchirurgie – diese fordert die meisten Röntgenuntersuchungen an. (Foto: Unimedizin Rostock)

Die Universitätsmedizin Rostock hat an mehreren Standorten neuartige Röntgengeräte in Betrieb genommen. Durch sie verringert sich die Strahlendosis für den Patienten deutlich. Eine Großanlage steht im Röntgenbereich der Kinderklinik.

„Das Ziel einer modernen Röntgendiagnostik ist die ständige Verbesserung der Bilder bei gleichzeitig deutlicher Verringerung der Strahlendosis für den Patienten“, sagt Radiologie-Chef Prof. Dr. Karlheinz Hauenstein. Das sei besonders bei den jüngsten Patienten – Früh- und Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern – von größter Bedeutung: „Sie wachsen noch und sind daher besonders anfällig gegenüber der Anwendung ionisierender Strahlung“, erläutert Hauenstein. In wachsenden Organismen ist die Verteilung von strahlensensiblem Gewebe deutlich anders als beim Erwachsenen. Das betrifft vor allem das blutbildende Knochenmark, das sich bei kleinen Kindern nahezu in allen Knochen befindet. Dadurch können akkumulierte Strahlendosen zu Mutationen führen, die im Laufe des Lebens das Risiko für die Entwicklung bösartiger Neubildungen erhöhen.

Anders als bei den bisher verwendeten Röntgengeräten, ist bei den neuartigen Anlagen über sogenannte Detektoren eine direkte Übertragung des Röntgenbilds auf einen Monitor möglich. Dadurch lässt sich für die Bilderzeugung erforderliche Strahlendosis auf bis zu ein Drittel verringern. „Wir haben die Technik in der gesamten Unimedizin umgestellt“, so Hauenstein. Auch das Zentrum für Nervenheilkunde in Gehlsdorf sowie Orthopädie, Chirurgie und Innere Medizin seien mit der Technik ausgestattet worden.

Für den Radiologie-Chef ein wichtiger Schritt: „Strahlung ist in der Bevölkerung ein Thema, das immer noch und auch zu Recht mit Angst besetzt ist.“ Gerade habe zudem das Bundesamt für Strahlenschutz die Toleranzwerte für Röntgenstrahlung deutlich gesenkt. „Unsere bisherigen Geräte haben die gültigen Werte zwar immer klar unterschritten, aber zum Wohle unserer kleinen und kleinsten Patienten möchten wir natürlich alle denkbaren Risiken minimieren“, so Hauenstein.

Lungenerkrankungen bei Kindern klar erkennen

Installiert wurde die Anlage mit der neuen Röntgentechnik in der Röntgen-Abteilung in der Kinderklinik vom Unternehmen Fujifilm. Am häufigsten kommt die Anlage im Bereich der Lungenerkrankungen zum Einsatz. Die Röntgenbilder bestätigen oder widerlegen schnell einen Verdacht auf Lungenentzündungen bei Kindern, je nachdem, ob die Bilder Verschattungen zeigen oder nicht. Daneben ist die Kindertraumatologie ein Haupteinsatzgebiet. Auch über angeborene Knochenfehlbildungen und erworbene Knochen- und Stoffwechselerkrankungen, etwa bei Rachitis, oder Knochenmetastasen bei krebskranken Kindern und Jugendlichen geben die Röntgenaufnahmen verlässlich Aufschluss.

Klarheit bei Verdacht auf Kindesmisshandlung

Ein weiteres wichtiges Einsatzfeld: Wenn sich bei Ärzten oder Pflegepersonal ein Verdacht auf Kindesmisshandlung verhärtet, kann die Röntgenuntersuchung zur Beweisfindung oder zur Entlastung der Eltern beitragen: „Dann wird bei Kindern unter zwei Jahren grundsätzlich das gesamte Skelett des Kindes abgelichtet, um es nach früheren Schäden abzuscannen“, erklärt Karlheinz Hauenstein. Es gebe typische Muster für alte Verletzungen; bestimmte Körperbereiche nehmen die Mediziner ganz gezielt ins Visier. „Wir sehen unter anderem zunächst unscheinbare Frakturen an  den Wachstumsfugen der Oberarme bei Säuglingen und Kleinkindern mit Schütteltrauma oder auch frische oder bereits abgeheilte Rippenfrakturen – es ist wichtig, dass solche Spuren dokumentiert werden“, so Hauenstein.