Internet of Medical Things bietet großes Potenzial

Grafische Darstellung: Internet of medical things
Aktuelle Deloitte-Studie: Medizintechnikunternehmen stehen durch das Internet of Medical Thingsvor einem Paradigmen-Wechsel - weg von einem produktbasierten Modell, hin zu einem wertorientierten System. (Foto/Grafik: © artinspiring/fotolia.com)

Das Internet of Medical Things (IoMT), das als verbundenes Netzwerk medizinischer Geräte und Systeme Daten sammelt, ordnet und übermittelt, könnte das Gesundheitswesen teilweise revolutionieren. Zwei Gründe sprechen für den Einsatz im traditionell sensiblen Gesundheitsbereich.

Große Technologie-Fortschritte treiben die Medizintechnik voran und führen zu einer immer größer werdenden Masse an verbundenen medizinischen Geräten. Diese Geräte erzeugen Daten, die man sammeln, analysieren und übertragen kann. Vernetzte Medizintechnikgeräte und Daten bilden gemeinsam das Internet of Medical Things (IoMT). Diese vernetzte Infrastruktur aus Medizingeräten, Software-Anwendungen, Gesundheitssystemen und -dienstleistungen könnte dem Gesundheitsbereich mehr Effizienz durch Automatisierung von Schlüsselprozessen bescheren, sowie eine weiter verbesserte Diagnostik und patientenzentrierte Behandlung. Zudem könnte hier ein neuer Wachstumsmarkt entstehen: Akutellen Schätzungen zufolge wird das weltweite Marktvolumen für IoMT (Internet of Medical Things) im Jahr 2022 auf 158,1 Milliarden US-Dollar anwachsen. Im vergangenen Jahr lag der Gesamtwert des IoMT-Markts in Europa bei rund 12 Milliarden US-Dollar – 2020 sollen es hier 44 Milliarden sein.

Doch wie weit wird netzwerkbasierte Technologie in der Gesundheitsbranche bereits angewendet und wie können Hersteller vernetzter Medizingeräte dieses Potential besser ausschöpfen? Im Rahmen einer europaweiten Studie hat das Beratungsunternehmen Deloitte insgesamt 237 Entscheider aus der MedTech-Branche befragt. Das Ergebnis: Viele der Beteiligten sehen sich derzeit noch nicht optimal aufgestellt. Doch wie können MedTech-Unternehmen geschäftlich am meisten vom IoMT profitieren? Wie können sie damit einen Mehrwert für die Gesundheitsversorgung stiften?

IoMT-Fachkräfte gewinnen

Die erste Herausforderung ist die Suche nach den dringend benötigten Talenten, also Datenanalyse-Spezialisten, KI-Entwicklern, Bio-Sciences-Experten und ähnlichen Berufsprofilen. Hierzu bedarf es auch neuer Kooperationsmodelle mit Universitäten, anderen Unternehmen sowie Organisationen des Gesundheitswesens. Der Bedarf ist groß – aber auch der Handlungsbedarf: Ganze 71 Prozent der Befragten sind der Überzeugung, dass die zurzeit in dieser Hinsicht vorhandenen Ressourcen und Kapazitäten bei weitem nicht ausreichen.

Akteure verstehen

Eine weitere Hürde besteht in der Fähigkeit der MedTech-Branche, ein tieferes und fundiertes Verständnis der Bedürfnisse und Mechanismen der Akteure und Interessenvertreter zu entwickeln, also von Ärzten, Patienten und Kassen-Vertretern. Nur wer das umsetzen kann, wird nach Einschätzung der Berater dazu in der Lage sein, die Potenziale und Vorteile einer umfassenden Vernetzung sowie einer weitgehenden Automatisierung jeder einzelnen Zielgruppe deutlich zu machen.

Vorteile kommunizieren

Die dritte Herausforderung liegt ebenfalls in der Kommunikation: Es gilt, die vielfältigen Vorteile eines IoMT-basierten Gesundheitssystems so überzeugend darzustellen, dass sich die Protagonisten des Gesundheitssystems auf den Wandel einlassen – der auch ihnen einiges abverlangen wird. In der MedTech-Branche haben bereits 51 Prozent neue Geschäftsmodelle implementiert. Die Aussicht, vergleichbare Kraftakte vollziehen zu müssen, kann durchaus abschreckend wirken. Umso wichtiger ist es, nicht nur Kompetenz zu signalisieren, sondern vor allem auch Vertrauen zu generieren.

Allgemeine Akzeptanz schaffen

„Das Gesundheitswesen ist ein sensibler Bereich aus zahlreichen Mechanismen, Interdependenzen und wachsenden Herausforderungen. Im Zentrum sollte jedoch stets die ökonomisch vertretbare Optimierung der Behandlung und Heilung von Patienten stehen. Bevor die Vorteile des IoMT spürbar zum Tragen kommen können, müssen deshalb zunächst die Infrastruktur verändert und modifiziert werden sowie allgemeine Akzeptanz geschaffen werden. Letzteres hat viel mit Vertrauen zu tun. Erst wenn klar ist, dass alle gleichermaßen profitieren, kann eine solche Aufgabe erfolgversprechend in Angriff genommen werden“, mein Michael Dohrmann, Partner Life Science & Healthcare bei Deloitte.

Die neue Studie des Deloitte Centre for Health Solutions untersucht, wie das IoMT die Rolle von MedTech im Gesundheitswesen verändert (Downloadlink/PDF).

Was ist das Internet of Medical Things?
Von Schwangerschaftstests bis hin zu chirurgischen Instrumenten, künstlichen Gelenken und MRT-Scannern entwickelt und produziert die Medizintechnikindustrie eine breite Palette von Produkten. Die Technologie ermöglicht es diesen Geräten, Daten zu erheben, zu sammeln, zu analysieren und zu übertragen und so das Internet of Medical Things (IoMT) zu schaffen – eine vernetzte Infrastruktur von Gesundheitssystemen und -diensten.