Digitalisierung im Fokus der Compamed 2018

Blick in die Mall der Fachmesse Compamed Düsseldorf
Fachmesse Compamed: Dematerialisierung, Digitalisierung und Vernetzung im Mittelpunkt (Foto: Messe Düsseldorf, Constanze Tillmann)

Der Markt für Medizintechnik und Medizinprodukte ist von nachhaltigem Wachstum geprägt, leidet aber auch unter komplexen Zulassungsprozedere und handelspolitischen Restriktionen. Das sind Themen, die auf der Fachmesse Compamed diskutiert werden. Sie findet im November 2018 parallel zur weltgrößten Medizinmesse Medica in Düsseldorf statt.

Der von vielen mittelständischen Unternehmen geprägten Medizintechnikbranche geht es größtenteils gut. Fast überall sind die Auftragsbücher voll, mit soliden Wachstumszahlen ist zu rechnen. Trotz der Erfolge haben aber auch die Zulieferer der Medizintechnik-Industrie mit Herausforderungen zu kämpfen, etwa zeitraubende Zulassungsprozedere und – nicht erst seit Donald Trump – handelspolitische Restriktionen. Zudem wird von ihnen ein Höchstmaß an Flexibilität erwartet. Die hohen Anforderungen, die es zu erfüllen gilt, sind Kernthemen der Informations- und Kommunikationsplattform Compamed, die parallel zur weltgrößten Medizinmesse Medica vom 12. bis zum 15. November 2018 auf dem Düsseldorfer Messegelände stattfindet.

Portraitfoto Horst Giesen
Horst Giesen ist Global Portfolio Director Health & Medical Technologies bei der Messe Düsseldorf GmbH (Foto: Messe Düsseldorf, Constanze Tillmann)

Gastbeitrag von Horst Giesen

Zwischen den gut 800 Compamed-Ausstellern und ihren Kunden, zum Beispiel den mehr als 5.000 Ausstellern der Medica, ist erneut ein enger Austausch im Hinblick auf Lösungen für eine bessere Gesundheitsversorgung zu erwarten. Spannende Trends geben hier derzeit den Takt vor. Dematerialisierung, Digitalisierung und Vernetzung sind die zentralen Schlagworte, denn die Anbieter benötigen von den Zulieferern immer feinere, leichtere und zugleich leistungsfähigere Komponenten wie Sensoren, Chips, Funkmodule oder auch passende Energie- sowie Datenspeicher.

Miniaturisierte Bauteile gefragt

Diese werden etwa verbaut in den stark nachgefragten Wearables zur Diagnostik der verschiedensten Körperparameter. Ein weiteres großes Anwendungsfeld ist das der aktiven Implantate. Die Teilnehmer beim diesjährigen Compamed-Frühjahrsforum haben bereits erfahren, warum diese zu den technisch aufwändigsten Medizinprodukten zählen.

Zu den Neuheiten zählen nicht nur miniaturisierte Bauteile, sondern auch Entwicklungen auf dem Gebiet der Beschichtungstechnologien. Parylene-Beschichtungen werden beispielsweise von Experten als „Multi-Talente“ bezeichnet. Diese fortschrittlichen Beschichtungen auf Kunststoffbasis eignen sich auf Grund ihrer organischen Verträglichkeit und weiterer Eigenschaften besonders gut zur Kapselung von Implantaten. Außerdem können sie ultra-dünn ausgeführt werden, weshalb sie etwa in Bereichen wie Stent-Technologien, Neurostimulation oder auch Infusionstechnologien Verwendung finden.

Beständigkeit oder auch das genaue Gegenteil

Während hinsichtlich bestimmter Materialien äußerste Beständigkeit gefragt ist, verlangen andere Einsatzzwecke das genaue Gegenteil. Und auch dafür haben die Aussteller, die sich bei der Compamed präsentieren, die passenden Lösungen in der Pipeline. Anzuführen sind Anwendungen zur Behandlung von Knochendefekten. Hier hat das Fraunhofer-Institut IFAM jüngst seine Ideen und Entwicklungen vorgestellt, etwa ein sich selbst nach einer gewissen Zeit auflösendes Magnesiumimplantat. Der Clou dabei: Die Faserstruktur des Implantats dient dem Knochen während des Wachstums als Stütze, sie ermöglicht das Einwachsen der Blutgefäße. Der Knochen wächst heran, parallel dazu baut sich das Implantat quasi von selbst ab.

„Lab-on-a-chip“-Technologie

Auch zur Anwendung außerhalb des Körpers gibt es Produkte von begrenzter Lebensdauer, die trotz ihres „Wegwerfcharakters“ auf maximale Aussagekraft für (diagnostische) Zwecke ausgelegt sind und Hightech im Miniformat darstellen. Das gilt etwa für den Bereich der Lab-on-a-chip-Technologien. So wurde bereits bei der Compamed im Vorjahr durch das Fraunhofer-Institut IOF die Entwicklung eines Labors im Taschenformat vorgestellt. Damit sollen sich in naher Zukunft direkt zuhause bestimmte Krankheitsindikatoren im Blut nachweisen lassen. Benötigt wird dafür nicht länger ein Facharzt. Es reichen ein Wegwerf-Fluoreszenz-Chip und ein Smartphone. Ein auf den Chip gegebener Tropfen Blut soll für die minutenschnelle Diagnose per App ausreichen.

Mini-Labor aus dem Tintenstrahldrucker

Genauso beispiellos wie die Wirkweise mutet auch die unkonventionelle, vergleichsweise günstige Produktionsmethode dieses auf optischen Verfahren aufbauenden Chips an. Sie erfolgt mit einem nur wenig modifizierten Tintenstrahldrucker. Der Trick: Es kommt Spezialtinte zum Einsatz. Die Tinte ist mit fluoreszierenden Molekülen oder Nanopartikeln versetzt. Aufgebracht sind ferner die für einen bestimmten Krankheitsmarker (z. B. Gluten-Unverträglichkeit) typischen Ankermoleküle. Kommt das mit dem Krankheitsmarker versehene Blut für die Analyse in Kontakt mit diesen speziellen Molekülen und den Fluoreszenz-Farbstoffen, regt eine aufgedruckte Lampe die Farbstoffe zum Leuchten an. In der Folge schlägt der Photodetektor Alarm und der Nachweis für die Krankheit ist erbracht.

Parallele Messen bilden gesamte Wertschöpfungskette ab

Die Messe Düsseldorf setzt bei dem langjährig erprobten Zusammenspiel von Compamed und Medica auf einen Dialog, aus dem kreative Ideen für die gesamte Wertschöpfungskette der Medizintechnik entspringen. Das sei weltweit einzigartig, sagt der Veranstalter.

Schwerpunkte der Compamed (Hallen 8a/8b) auf dem Düsseldorfer Messegelände sind unter anderem Komponenten für Medizintechnik (u. a. Elektronik, Bauteile, Schläuche, Filter, Pumpen, Ventile), Materialien/ Werkstoffe, Mikro- und Nanotechnologie, Auftragsfertigung „Electronic Manufacturing Services“ (EMS), komplexe Herstellungs- und Ausrüstungspartnerschaften sowie Verpackungen und Dienstleistungen.

Mit ihrer speziellen Ausrichtung spricht die Compamed vorrangig Technische Einkäufer, Spezialisten aus den Bereichen Forschung und Entwicklung sowie Verpackung, Produktionsleiter, Konstrukteure oder etwa auch Verfahrensingenieure an. Für den internationalen Stellenwert spricht dabei, dass 60 Prozent der zuletzt fast 20.000 Compamed-Fachbesucher aus anderen Nationen als Deutschland anreisten.

Der Besuch von Compamed und Medica ist wie in den Vorjahren mit nur einem Ticket möglich. Laufzeit der Compamed 2018 und Medica 2018: 12. bis 15. November 2018. Öffnungszeiten: 10 bis 18 Uhr.