Digitale Sicherheitsbedenken nehmen zu

Computertastatur mit Sondertaste "Verschlüsselte E-Mail"
Beim Versand von E-Mails setzen immer mehr Bundesbürger auf heimische Provider und sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (Foto: © momius/fotolia.com)

Bei der Korrespondenz per E-Mail und der Speicherung persönlicher Daten bei US-Anbietern haben immer mehr Bundesbürger Sicherheitsbedenken. Das zeigt eine aktuelle Marktuntersuchung, die Convios Consulting für die deutschen E-Mailanbieter GMX und Web.de durchgeführt hat.

Fast zwei Drittel der Bundesbürger (61,2 Prozent) gehen davon aus, dass ihre E-Mails von Geheimdiensten oder Hackern mitgelesen werden. 72,1 Prozent empfinden das als schlimm oder sehr schlimm, 2015 lag dieser Wert mit 64,2 Prozent deutlich niedriger. 72,5 Prozent der Befragten haben Bedenken gegenüber US-amerikanischen Unternehmen in Sachen Datenschutz und Privatsphäre. Damit liegt die Besorgnis auf ähnlich hohem Niveau wie 2013 nach den Enthüllungen von Edward Snowden (73,8%). Mehr als die Hälfte der Deutschen gibt an, dass ihre Datenschutzbedenken gegenüber US-Anbietern seit der Wahl von Donald Trump deutlich zugenommen (26,2%) oder zugenommen haben (26,7%). Für 44,8% sind die Bedenken gleich geblieben. Nur 2,2% haben weniger Vorbehalte.

Donald Trump verschärft Skepsis

„Die Bedenken, persönliche Daten bei US-Anbietern zu speichern, sind seit Jahren auf einem hohen Niveau. Durch die Wahl von Donald Trump hat sich diese Situation weiter verschärft“, sagt Jan Oetjen, Geschäftsführer von Web.de und GMX.

Angesichts der gefühlten Bedrohung der Privatsphäre wächst das Interesse an Verschlüsselungstechniken wie PGP. Drei Viertel der Deutschen (74,9 Prozent) halten eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für wichtig oder eher wichtig. 2015 waren es 69,3 Prozent. Allerdings wird E-Mail-Verschlüsselung erst von 16,1 Prozent der Befragten tatsächlich genutzt. Als Gründe für den Verzicht werden hoher Installationsaufwand (37,6 Prozent) und mangelnde Kenntnis (36,6 Prozent) genannt.

Wechsel zu deutschen Anbietern

Das wachsende Misstrauen in US-Anbieter hat die Wechselbereitschaft zu deutschen Anbietern verstärkt: Knapp die Hälfte der Befragten (47,2 Prozent) will sicher oder vielleicht zu einem deutschen Anbieter wechseln. 2015 waren es 40,3 Prozent. Sicherheit und Schutz der eigenen Daten sind Entscheidungsgrund Nummer eins bei der Auswahl eines E-Mail-Anbieters; rund 96 Prozent der Befragten nannten 2015 und 2017 diese Kriterien.

Zur Methodik: Die Convios Consulting GmbH untersucht seit 2009 regelmäßig für GMX und Web.de das Kommunikationsverhalten der deutschen Internet-Nutzer. Für die aktuelle Studie wurden im März 2017 und damit zwei Monate nach dem Amtsantritt von Donald Trump über 1.000 Internetnutzer ab 14 Jahren befragt.