Brainlab entwickelt universelles OP-Betriebssystem

Brainlab-Vorstandsvorsitzender Stefan Vilsmeier (l.) und Snake-OS-Chef Andreas Giese
Brainlab-Vorstandsvorsitzender Stefan Vilsmeier (l.) und Snake-OS-Chef Andreas Giese: Schnellere Softwareentwicklung für die gesamte Medizintechnik durch Zugang zu einem universellen OP-Betriebssystem (Foto: Brainlab)

Das Unternehmen Brainlab startet in München mit dem Tochterunternehmen Snke OS. Es soll eine Digitalplattform für die Chirurgie entwickeln, die auch in anderen Bereichen universell einsetzbar ist.

Die Entwicklung der neuen Digitalplattform am neuen Standort in München-Bogenhausen basiert auf der bestehenden Brainlab Software, die SnkeOS weiterentwickelt und einem erweiterten Geschäftskundenkreis anbieten wird.

Weil die vorhandene Brainlab Software verwendet wird, können existierende Brainlab Partner, aber auch Mitbewerber, Start-ups sowie Großunternehmen der Pharma- und Medizintechnikindustrie, auf die Technologie und offenen Schnittstellen von Snke OS aufsetzen und schneller eigene digitale Lösungen für den OP entwickeln.

Patientenspezifisches Modell für präzise Eingriffe

Die Plattform bündelt komplexe Technologien: Ein universelles statistisches Patientenmodell wird mit der individuellen, aus zahlreichen diagnostischen Bilddaten aggregierten Anatomie präzise gekoppelt und erzeugt somit einen digitalen Repräsentanten jedes Patienten. Dieser wird während einer Operation fortwährend in Bezug gesetzt zu den erfassten Interaktionen der eingesetzten Instrumente. Dies ermöglicht eine genaue Navigation und Vermessung des Eingriffs. 

Die Anatomie wird zudem mit Videodaten verknüpft, um mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) zusätzliche Workflow-Informationen zu extrahieren, den Verlauf zu dokumentieren und das patientenspezifische Modell dynamisch aktualisieren zu können. Die dabei gewonnenen statistischen Daten fließen wiederum an das universelle Patientenmodell zurück und dienen als zentrale Wissensbasis für die Erforschung besserer Behandlungsmethoden.

Offene Schnittstellen für die weitere Digitalisierung

Die offenen Schnittstellen von Snke OS soll es anderen Medizintechnik-Unternehmen ermöglichen, eigene Lösungen im Bereich Imaging, Navigation, Robotik, Cloud Computing, KI sowie Mixed Reality zu einem Gesamtsystem zu integrieren und die Möglichkeiten der Digitalisierung effektiver auszuschöpfen. Damit sollen auch in anderen, medizinischen Fachrichtungen weitere Digitalisierungsschritte vereinfacht werden, etwa in den Bereichen Herz-, Leber- und Gefäßchirurgie, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Wirbelsäulenchirurgie, HNO sowie in der Onkologie.

Andreas Giese, Geschäftsführer von Snke OS, erläutert den Hintergrund zum Start des neuen Tochterunternehmens: „Die räumliche und organisatorische Trennung von Brainlab wurde gewählt, um losgelöst von den bisherigen, sehr spezifischen Anwendungsfeldern die dynamische Weiterentwicklung unserer Softwarearchitektur zu triggern und so ein noch viel breiteres Spektrum an klinischen Herausforderungen mit universellen Funktionalitäten zu unterstützen. Dazu brauchen wir neue Talente, insbesondere im KI-Umfeld.“ 

Wichtige Fachkräfte aus der KI-Entwicklung

München gilt als eines der führenden Zentren in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Datenanalyse. Deshalb entstehen die neuen zukunftsweisenden Arbeitsplätze von Snke OS in erster Linie am Hauptsitz, ergänzt um Teams in Tel Aviv und San Diego.

„Chirurgische Eingriffe sind immer noch sehr analog“, ergänzt Stefan Vilsmeier, Vorstandsvorsitzender von Brainlab. „Mit aus tiefer Digitalisierung gewonnenen Daten lassen sich Effizienzdefizite analysieren und die Behandlung individuell für jeden Patienten optimieren.“ Chirurgische Interventionen gelten in Krankenhäusern als wesentlicher Werttreiber mit erheblichem Digitalisierungspotenzial.

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