Hirnschrittmacher hilft Parkinson-Patientin

Heike Verwolt arbeitet als „Parkinson-Schwester“ am UKM und überprüft die Funktion des Hirnschrittmachers von Dagmar Mende alle drei Monate. (Foto: Universitätsklinikum Münster/UKM)

Ein Hirnschrittmacher trägt jetzt dazu bei, dass Dagmar Mende das Leben wieder genießen kann. Die 51 Jahre alte Parkinson-Patientin kämpft seit 2003 mit ihrer Erkrankung und hat sich im vergangenen Jahr einem neurologischen operativen Eingriff unterzogen.

Bei der Tiefen Hirnstimulation (THS) werden Elektroden ins Gehirn eingebracht, die von dort mittels eines unter die Haut implantierten externen Schrittmachers elektrische Impulse aussenden. Durchgeführt wurde die Operation von Dr. Nils Warneke, Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster). Für die neurologischen Voruntersuchungen und die Expertise während der OP stand ihm Oberarzt Priv.-Doz. Dr. Tobias Warnecke aus der Klinik für Neurologie zur Seite. Für ein optimales Ergebnis arbeiten beide Fachdisziplinen in allen Phasen eng zusammen. „Ich habe natürlich lange überlegt, ob ich mich einem so schweren Eingriff wirklich unterziehen will, aber beide Ärzte haben mir Mut gemacht, dass die OP für mich eine große Erleichterung bringen könnte“, sagt Dagmar Mende. Jetzt benötige sie kaum noch Medikamente. „Mein ‚Einfrieren‘ in den Bewegungen ist weg. Auch mein Fuß zittert nicht mehr“, so die Patientin.

Hirnschrittmacher auch für andere Krankheiten

Die für das klinische Erscheinungsbild der Parkinson-Krankheit typischen Symptome wie Rigor (Muskelstarre) und Tremor (Muskelzittern) lassen sich durch den neuen Schrittmacher im Hirn weitgehend abmildern. Nicht nur bei Parkinson, Tremor oder Dystonie (Muskelverkrampfung) kann die THS helfen, auch bei Epilepsie kann ein Hirnschrittmacher Symptome lindern. „Allerdings kommt nicht jeder Patient dafür in Frage“, schränken die Ärzte ein. So müsse die geistige Leistungsfähigkeit des Patienten gegeben sein. Außerdem wird vor einer Operation durch eine eine MRT-Aufnahme sichergestellt, dass im Gehirn des Patienten tatsächlich ein Zugang zum betreffenden Areal möglich ist.

„Während der Operation – die wir am wachen Patienten vornehmen – werden noch umfangreiche Tests durchgeführt, wie sich die elektrischen Impulse auf dessen Krankheitssymptome auswirken. So stellen wir die Funktion des Systems auf den bestmöglichen Zustand ein“, sagt Dr. Tobias Warnecke. Daran kann sich auch die 51Jährige noch gut erinnern: „ Ich musste vor der Operation meine Medikamente absetzen, so dass mein Fuß vorher enorm gezittert hat. Während der Operation wurde das System so eingestellt, dass der Fuß dabei ganz ruhig wurde.“

Während bei ihr vor der OP Medikamente kaum noch eine Wirkung hatten, muss die Mutter zweier Kinder heute fast keine Tabletten mehr schlucken und nur noch alle drei Monate zur Nachsorge. „In der Tiefen Hirnstimulation liegt die Zukunft solcher Patienten“, sagt der Chirurg Warneke und ergänzt: „Wir haben bei der Methode in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht.“ So könne die Lebensqualität der Patienten enorm gesteigert und und ihr Leben weitgehend normalisiert werden, auch wenn das Fortschreiten ihrer Erkrankung natürlich nicht aufgehalten werden könne.